Alternative Monatshygiene – Was ist das & Was gibt es für Möglichkeiten?

Als „Alternative Monatsyhgiene“ bezeichnet man meistens ökonomisch oder ökologisch günstigere Produkte der Monatshygiene. Auf gut deutsch: Produkte, die entweder dem Geldbeutel oder der Umwelt nützen. Das können Stoffbinden, Menstruationstassen, Schwämme oder auch Periodenunterwäsche wie Periodenslips sein. In unserem Artikel erfährst du, wieso Alternative Monatshygiene eine gute Idee sein könnte – und ob sie für dich in Frage kommt.

Wiederverwendbare Stoffbinden in einem Wäschekorb im Badezimmer

Gute Gründe für Alternative Monatshygiene

Die meisten von uns haben sich bereits an die konventionellen Periodenprodukte gewöhnt: Binden und Tampons. Manche entscheiden sich für das eine Produkt oder nutzen manchmal beides abhängig von Tageszeit und Periodenstärke. Eines haben jedoch beide Produkte gemeinsam: Sie sind Einwegprodukte. Dadurch produziert jede menstruierende Person im Laufe deren Lebens viel Müll. 

In den letzten Jahren haben Unternehmen jedoch Innovationen entwickelt und moderne, diskrete und umweltfreundliche Zero Waste Alternativen geschaffen, die begeistern. Denn diese sind oft nicht nur aus nachhaltigeren Materialien, sondern oft auch wiederverwendbar, worüber sich langfristig neben der Umwelt auch der Geldbeutel freut. So gibt es heute bereits mehrere umweltfreundliche Alternativen, wie wiederverwendbare Stoffbinden, Periodenunterwäsche, Menstruationstassen, nachhaltige Bio-Tampons und viele weitere, welche sowohl sicherer für den Körper als auch umweltfreundlicher sind. Bevor wir uns mit den Optionen beschäftigen, sprechen wir über die Gründe, warum ein Wechsel nicht nur Vorteile für die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit und den Geldbeutel haben.

Nachhaltige Monatshygiene der Umwelt zuliebe

Heutzutage ist es relevanter als je zuvor über die Auswirkungen unserer Periode auf die Umwelt nachzudenken. Es ist 2021, das Thema Klimawandel ist so relevant wie eh und je, und nachhaltige Periodenprodukte bieten jede*m die Möglichkeit durch kleine Veränderungen große nachhaltige Wirkungen zu erzielen, indem man anfängt nachhaltige Monatshygiene zu verwenden. 

Denn im Durchschnitt bekommt eine Person, die menstruiert, etwa 450 Mal in ihrem Leben eine Periode. Das sind 450 Wochen, in denen ein Teil der Weltbevölkerung irgendeine Art von Monatshygiene-Produkt verwendet. Das bedeutet eine Menge Abfall, denn durchschnittlich benutzt eine menstruierende Person 11.000 bis 16.000 Einwegbinden, Slipeinlagen und/oder Tampons im Leben. Multipliziert man diese Zahlen mit allen Menschen auf diesem Planeten, die ihre Periode haben, ergibt das eine beträchtliche Menge Abfall, von dem der Großteil letztendlich auf der Mülldeponie endet, da 90% der Sanitärpodukte aus Plastik bestehen und dadurch nicht biologisch abbaubar sind.

Müllbeutel in einem Hausflur
Klassische Produkte für die Periode verursachen ziemlich viel Abfall

Sind normale Tampons und Binden umweltschädlich? Lebenszyklus herkömmlicher Menstruationsprodukte

Doch während die eigentlichen Produkte selbst schon einen großen Teil des Problems ausmachen, sollten wir auch den Lebenszyklus zum Beispiel eines herkömmlichen und umweltschädlichen Tampons oder Einwegbinde in Betracht ziehen. Denn der Herstellungsprozess dieser Produkte ist sowohl ressourcenverschwendend als auch chemikalienintensiv.

Die Knospe einer Baumwollfplanze
Baumwollanbau ist wasserintensiv: Jede Knospe benötigt rund 6 Liter Wasser

Bei Tampons ist da zunächst einmal die Rohstoffgewinnung, die die Produktion von Baumwolle beinhaltet. Dies ist ein sehr wasserintensiver Prozess, denn Baumwolle gilt als eine der „durstigsten Pflanzen der Welt“. So benötigt sie sechs Liter Wasser, um nur eine kleine Knospe wachsen zu lassen. Zusätzlich verwenden die meisten herkömmlichen Produkthersteller keine Bio-Baumwolle, sondern welche, die mit Pestiziden und Insektiziden gesättigt sind. In herkömmlichen Tampons sind zusätzlich häufig noch Kunststoffe verarbeitet, sodass diese nicht biologisch abbaubar sind und bis zu 500 Jahren brauchen um sich zu zersetzen.

Zweitens enthalten die meisten Binden Polyethylen-Kunststoff (der Klebstoff, mit dem die Binde an der Unterwäsche haftet), der ein umweltschädlicher Schadstoff ist. Die meisten Tampons enthalten Chemikalien wie Dioxin, Chlor und Viskose. Während die Produkte auf Mülldeponien liegen, werden diese Chemikalien dann von der Erde aufgesaugt und als Schadstoffe ins Grundwasser und in die Luft abgegeben. 

Es ist wohl keine Frage, dass niemand gerne die oben genannten Substanzen auch nur in die Nähe, geschweige denn gerne in den Körper lässt. Aber nicht nur der Gesundheit wegen, sondern auch der Umwelt zuliebe lohnt es sich eindeutig einen Wechsel zu einem umweltfreundlicheren Periodenprodukt in Erwägung ziehen. Denn eines ist sicher, der Wechsel zu einem umweltfreundlichen Menstruationsprodukt bedeutet, dass Sie nicht dazu beitragen, die Mülldeponien mit Periodenprodukten zu überfüllen; denn allein in den USA verschmutzen jährlich 12 Milliarden Binden und 7 Millionen Tampons die Mülldeponien. 

Die grundsätzliche Frage, ob typische Tampons und Binden umweltschädlich sind, kann man also mit einem klaren Ja beantworten.

Fakten zur Umweltbelastung – Auswirkungen von Periodenprodukten

Man könnte meinen, dass etwas so Kleines wie der Umstieg auf nachhaltige wiederverwendbare Produkte keinen großen Unterschied machen kann. Doch wenn immer mehr Leute auf nachhaltige Produkte umsteigen,  können enorme Mengen an Abfall umgangen werden und jeder menstruierende Person kann einfach einen Beitrag leisten, um den Planeten für Generationen nachhaltig zu erhalten. 

Tampons, Binden und Slipeinlagen erzeugen zusammen mit ihren Verpackungen und Einzelverpackungen mehr als 200.000 Tonnen Abfall pro Jahr, und sie alle enthalten Plastik – tatsächlich bestehen Binden zu etwa 90 % aus Plastik! Die durchschnittliche Anwenderin wirft in ihrem Leben erstaunliche 125 bis 150 kg Tampons, Binden und Applikatoren weg. Der Plastikmüll landet dann auf einer Mülldeponie oder, noch schlimmer, in den Ozeanen, Flüssen und Stränden. Im Jahr 2010 wurden zum Beispiel bei einer Strandreinigung in Großbritannien durchschnittlich 23 Binden und 9 Tampon-Applikatoren pro Kilometer britischer Küstenlinie gefunden. 

Die Zeit, die ein Tampon oder eine Binde braucht, um sich auf einer Mülldeponie zu zersetzen, ist um Jahrhunderte länger als die Lebensspanne des Menschen, der sie benutzt hat – vor allem, wenn sie in Plastik verpackt sind. So hinterlässt ein Jahresverbrauch an Einwegprodukten für die Periode einen CO2-Fußabdruck von 5,3 kg CO2-Äquivalenten.

Mathematische Formeln auf einer Schultafel
Keine Raketenwissenschaft: Klassische Monatshygiene produziert viel Müll und kostet viel Geld

Inhaltsstoffe und Schadstoffe: Gesundheitliche Faktoren

Doch neben der Umwelt, freut sich auch die Gesundheit über einen Wechsel. 

Jeder, der einen Menstruationszyklus hat, hat schon einmal vom Toxischen Schocksyndrom (TSS) gehört. Informationen über den gefährlichen Zustand sind in der Verpackung jeder Tampon-Schachtel aufgeführt, da konventionelle Tampons das höchste Risiko für TSS darstellen. Denn Tampons saugen nicht nur das Menstruationsblut auf, sondern absorbieren auch die natürliche Feuchtigkeit der Vagina und trocken diese somit aus. Das ist der Grund weshalb es gerade gegen Ende der Periode schwierig oder manchmal gar schmerzhaft wird einen Tampon zu entfernen.

Zusätzlich wächst unter Wissenschaftlern zunehmend die Besorgnis über synthetische Chemikalien, die in herkömmlichen Periodenprodukten enthalten sind. Wie bereits erwähnt werden Binden und Tampons aus gebleichter Baumwolle und/oder Zellwolle hergestellt und enthalten, wie viele andere Körperpflegeprodukte, wahrscheinlich sogenannte „endokrine Disruptoren“: chemische Stoffe, die das natürliche Hormonsystem stören können. Obwohl Experten und Wissenschaftler bereits öfter die Industrie aufgefordert haben, die Forschung und Transparenz über die gesundheitlichen Auswirkungen von Tampons zu erhöhen, gibt es immer noch Nachholbedarf. Studien haben jedoch ergeben, dass nachhaltige Menstruationsprodukte nicht als weniger gesund eingestuft wurden, sondern sogar gesünder, da sie keine synthetischen Fasern enthalten. Dies Auswahl der nachhaltigen Alternativen ist groß, so dass für jede*n etwas dabei ist. Im Folgenden werden die gängigsten nachhaltigen Periodenprodukte vorgestellt.  

Alternative Monatshygiene schont den Geldbeutel

Und da alle guten Dinge drei sind, gibt es noch einen weiteren Bonusgrund zu wechseln. Denn  ein Wechsel zu umweltfreundlichen Produkten kann zusätzlich das Bankkonto erheblich entlasten. Eine Menstruationstasse zum Beispiel ist im Vergleich zu Einmalbinden und Tampons auf Dauer viel preisgünstiger. Während eine Cup zwischen 15 und 30 Euro kostet und ca. zehn Jahre verwendbar ist, können sich die Kosten für Tampons und Binden für den gleichen Zeitraum auf vierstellige Beträge summieren.

Produkte der Alternativen Monatshygiene

Stoffbinden – hier die von ALMO – sind in der Regel wiederverwendbar und lassen sich sehr gut waschen

Waschbare Binden und Stoffbinden

Wenn man von wiederverwendbaren waschbaren Binden spricht, denken viele vielleicht an sperrige Stoffbinden – doch die gehören der Vergangenheit an. Es gibt wiederverwendbare Binden, die dünn und flexibel und zusätzlich noch saugfähiger als Ihre Standard-Einwegbinden sind. Man kann diese nach Gebrauch einfach in der Waschmaschine waschen und eine nachhaltige Stoffbinde kann somit durchschnittlich mindestens drei bis fünf Jahre benutzt werden. Potenziell Hunderte von umweltschädlichen Binden und Tampons werden somit ersetzen. 

Stoffbinden sind weich und saugfähig – und damit viel angenehmer als Einwegbinden. Vorbei sind die Zeiten, in denen Plastikbinden an den Oberschenkeln scheuerten. Stoffbinden sind frei von reizenden Materialien, so dass Sie unnötigen Kontakt mit synthetischen Inhaltsstoffen vermeiden können.

Periodenslips gibt es in verschiedenen Passformen

Periodenunterwäsche und Periodenslips

Eine weitere Option ist Unterwäsche, die speziell für Ihre Periode hergestellt wurde. Spezielle Stoffe absorbieren das Blut aus Ihrem Zyklus. Eine Frau mit einem stärkeren Blutfluss kann Periodenslips als Ersatz für ihre Menstruationstasse verwenden. Und sie können über Nacht sehr praktisch sein. Frauen mit leichteren Zyklen können ausschließlich Periodenslips verwenden.

Wichtig ist, dass du dich mit deinem Periodenslip wohl fühlst. Es gibt verschiedene Passformen. Die Produkte unterschiedlicher Hersteller unterscheiden sich außerdem erheblich.

Zwei Menstruationstassen vor weißem Hintergrund
Mit Menstruationstassen lässt sich viel Müll sparen

Menstruationstassen

Ganz simpel beschrieben sind Menstruationstassen kleine Behälter meist aus Silikon oder Naturkautschuklatex, die in die Vagina eingeführt werden, um das Blut aufzufangen. Abhängig von Periodenstärke wird diese dann alle 6-12 Stunden einfach ins Klo ausgeleert und wieder eingesetzt. Im Sinne einer Zero Waste Monatshygiene sind Menstruationstassen also der absolute Volltreffer. Anstatt jedes Mal etwas wegzuwerfen wird die Tasse einfach ausgekippt, ausgespült und wieder eingesetzt und hat dadurch im Vergleich zu Tampons und Binden nur minimale Auswirkungen auf die Umwelt. Eine wiederverwendbare Menstruationstasse kann durch ihre lange Lebensdauer Verpackungs- und Materialabfall von mehr als 2400 Binden oder Tampons pro Benutzer*in. Auf zehn Jahre gerechnet spart also jede einzelne Person, die auf eine Menstruationstasse umsteigt, eine LKW-Ladung Abfall. 

Im Gegensatz zu einem Tampon beeinträchtigen sie nicht die natürliche Feuchtigkeit der Vagina und können daher bis zu 12 Stunden lang getragen werden, ohne dass die Gefahr eines TSS besteht.

Der gängigste Herstellungsstoff Silikon ist auch ein ziemlich grüner Inhaltsstoff. Das Material wird aus Siliziumdioxid gewonnen, einer Sandart, und geht bei seiner Zersetzung langsam wiede rin seinen ursprünglichen Zustand zurück; das zweithäufigste Mineral in der Erdkruste und eines, das nicht umweltschädlich ist.

Ein weiterer Vorteil einer Menstruationstasse ist, dass sie eine einmalige Anschaffung ist, die man dann mehrere Jahre benutzen kann und mit der man im Gegensatz zu Einwegprodukten Laufe der Zeit eine Menge Geld sparen kann.

Die Cups können beim Schlafen, Schwimmen, Trainieren oder bei jeder anderen Aktivität getragen werden, die einen weiten Bewegungsradius erfordert.

Naturschwamm Levantiner
Naturschwamm Levantiner

Menstruationsschwämme

Der Menstruationsschwamm ist meistens ein Naturprodukt. Er wird in die Vagina eingeführt. Die Saugkraft kann meistens ähnlich zu der eines Tampons. Der große Vorteil: Er trocknet weder die Vagina aus, noch verletzt er die Schleimhäute beim Einführen.

Übrigens musst du keine Angst haben, dass du den Schwamm nicht mehr heraus bekommst. Du kannst zum Beispiel einfach einen Faden um den Schwamm binden oder durchziehen – ähnlich wie bei einem Tampon.

Die genaue Handhabung ist je nach Produkt etwas unterschiedlich. Außerdem gibt es eine Reihe von Tipps, die das Leben mit Menstruationsschwämmen noch einfacher machen: So kannst du den Schwamm vor dem Einführen zum Beispiel in Essigwasser legen, um den pH-Wert zu neutralisieren. Das bietet sich auch an, um die Entstehung von Bakterien zu vermeiden.

Wichtig ist, dass die meisten Naturschwämme nicht ausgekocht werden dürfen – denn sonst werden sie hart und schrumpeln ein. Idealerweise lässt du das Schwämmchen danach an der freien Luft trocknen – denn hier geht’s meistens am schnellsten und es bilden sich am wenigsten Bakterien.

Ist wiederverwendbar wirklich hygienisch?

Ein Produkt wiederzuverwenden, das Sie ganz blutig bekommen haben, mag zunächst nicht allzu verlockend erscheinen. Ähm, ist das nicht unhygienisch?

Nun, nein. Solange Sie Ihre Menstruationstasse, Ihren wiederverwendbaren Tampon oder Ihre Periodenunterwäsche wie vorgeschrieben pflegen, ist sie genauso hygienisch wie der Tampon, den Sie in den Müll geworfen haben. Die meisten Menstruationstassen müssen regelmäßig mit Seife und kochendem Wasser desinfiziert werden, während Menstruationsunterwäsche und wiederverwendbare Binden ausgespült werden und dann den Waschgang durchlaufen.

Wie findet man das richtige nachhaltige Produkt?

Letztendlich musst du selbst für dich entscheiden, welches Produkt am besten zu dir passt. Dabei sollteset du deine Bedürfnisse, aber natürlich auch deinen Lebensstil berücksichtigen. Wer aktuell schon Binden nutzt, ist bei Stoffbinden sicherlich gut aufgehoben. Das gilt auch dann, wenn du eher „klassisch“ unterwegs bist und nichts mit Menstruationstassen oder Schwämmen anfangen kannst.

Eine gute Idee ist es, auf die Inhaltsstoffe zu achten. Ein gutes Zeichen ist es, wenn Produkte und Inhaltsstoffe z.B. nach Bio-Vorschriften zertifiziert sind. Sicherlich ist auch der Preis entscheidend – aber denk daran: Gute alternative Monatshygiene ist sicherlich etwas teurer als klassische Binden und Einlagen – allerdings kaufst du sie nur einmal und kannst sie dann über viele Jahre hinweg nutzen.

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