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Blasenentzündung: Symptome & Behandlung - Wenn es beim Wasserlassen brennt und schmerzt

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Blasenentzündungen gehören leider zum Alltag vieler Frauen. Jede 2. Frau hat mindestens einmal in ihrem Leben eine Blasenentzündung. Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen sind die klassischen Symptome. Meist ist eine Blasenentzündung oder ein Harnwegsinfekt harmlos, doch es kann sich auch eine gefährliche Nierenbeckenentzündung daraus entwickeln (Fu et al. 2017).

Inhaltsverzeichnis

Wichtiger Hinweis: Dieser Text kann keinen Arztbesuch oder persönliche, ärztliche Beratung ersetzen. Bitte wende Dich bei Fragen, Problemen oder Unklarheiten immer unbedingt an Deine Ärztin oder Deinen Arzt. Unsere medizinischen Texte sind von Fachpersonen geschrieben (z.B. Medizinjournalisten, Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudenten kurz vor Studienende, Doktoranden in medizinischen Bereichen); wir können aber keine Gewährleistung auf Korrektheit oder gar Haftung für die Inhalte übernehmen.

Bakterien in der Blase?

Die meisten umgangssprachlich als Blasenentzündung bezeichneten Infekte, sind Infekte der unteren Harnwege, also Infekte der Harnröhre und -blase. Ärzte und Ärztinnen sprechen auch von einer Zystitis. In der Regel handelt es sich um Bakterien aus dem Darm, die durch den Ausgang der Harnröhre ein- und nach oben wandern. In der Medizin nennt man dies aufsteigende Infektionen. Da bei Frauen die Harnröhre sehr kurz ist, kann es rasch zu einer Zystitis kommen. Bei Männern, die aufgrund des Penis eine deutlich längere Harnröhre besitzen, sind Blasenentzündungen deutlich seltener.

Bei den meisten Patienten und Patientinnen wandern die Bakterien nicht weiter, weil das Immunsystem eingreift oder die Symptome so stark werden, dass eine Therapie erfolgt. Die Erreger können aber noch weiter aufsteigen und eine Entzündung in den oberen Harnwegen, v.a. der Niere auslösen. Im schlimmsten Fall kann dadurch eine Blutstrominfektion entstehen mit lebensbedrohlichen Folgen.

Lebensphasen mit erhöhtem Risiko

Bestimmte Personengruppen können besonders leicht Harnwegsinfektionen entwickeln. Schwangere Frauen haben ein deutlich erhöhtes Risiko. Begünstigende Faktoren für Harnwegsinfektionen in der Schwangerschaft sind anatomische und physiologische Veränderungen der Harnwege und des Urins.

Daneben kommt es bei Frauen in der Meno- und Postmenopause häufiger zu Infektionen, da sich aufgrund des geringeren Östrogenspiegels die Schleimhautbesiedlung verändert.

Eine weitere große Risikogruppe sind Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus. Die Veränderungen der Organfunktionen erhöhen das Risiko einer Infektion und ein durch Diabetes ausgelöster Nervenschaden kann dazu führen, dass Symptome erst sehr spät auftreten.

Auch Frauen ohne Vorerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte bei

  • zeitnahem Geschlechtsverkehr (Honeymoon Zystitis)
  • Gebrauch von Diaphragmen und Spermiziden
  • Harnwegsinfektionen in der Vergangenheit
  • junges Alter bei der ersten Harnwegsinfektion

Besondere Vorsicht gilt bei Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen oder anatomischen Besonderheiten der Harnwege. Hier können Bakterien unter Umständen leichter Aufsteigen oder eine Infektion der Niere hätte dramatische Folgen. Diese Patientinnen und Patienten sollten bei Symptomen einer Harnwegsinfektion stets einen Arzt aufsuchen (Kranz et al. 2017).

Anzeichen

Eine untere Harnwegsinfektion hat häufig typische Symptome. Dazu zählen:

  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen (Algurie)
  • imperativer Harndrang, also das Gefühl SOFORT auf Toilette zu müssen
  • häufiges Wasserlassen, oft von nur sehr kleinen Mengen
  • Schmerzen im Unterbauch
  • Blut im Urin

Die Symptome können sich langsam entwickeln aber auch plötzlich auftreten. Fieber sollte nicht auftreten, dann ist an eine Infektion der oberen Harnwege zu denken, welche anders behandelt werden sollte (Kranz et al. 2017).

Sonderfall: Blasenentzündung beim Mann

Wenn Männer eine Blasenentzündung bekommen, leiden sie unter den gleichen Symptomen wie Frauen. Trotzdem handelt kann bei ihnen nicht einfach um eine unkomplizierte Infektion wie bei Frauen. Aufgrund der langen Harnröhre haben Bakterien einen deutlich längeren Weg zum Aufsteigen und eine Infektion sollte deshalb differenziert diagnostisch angegangen werden, da eine Infektion gerade bei jungen Männern eher untypisch ist.

Zellen im Urin

Eine Blasenentzündung kann durch eine Urinuntersuchung festgestellt werden. Bei Frauen ist wichtig vor einer Urinprobe den Genitalbereich zu reinigen und falls möglich einen Mittelstrahlurin abzugeben. In einer schnellen Untersuchung können Zellen festgestellt werden, die auf eine Entzündung hinweisen. Dann kann ggf. eine Probe in ein mikrobiologisches Labor versandt werden, um genau zu erfahren welcher Keim vorliegt und welche Antibiotika wirken können. In der Regel wird aber vor Erhalt der Egebnisse mit einer antibiotischen Therapie begonnen.

Sollten weitere Symptome auftreten, wie Schmerzen in den Flanken oder Blut im Urin, sollten weitere Untersuchungen erfolgen, z.B. ein Ultraschall der Harnwege (Kranz et al. 2017).

Behandlungsmöglichkeiten

Hat eine Frau die Symptome einer Harnwegsinfektion, kann sie – soweit keine Risikofaktoren besitzt – versuchen die Symptome zu lindern und eine Infektion ohne Antibiotika zu beenden. Bei Blut im Urin sollte ein Arzt aufgesucht werden. Sollten die Symptome anhalten, ist ebenfalls ein Arzt aufzusuchen und ggf. eine Therapie einzuleiten. Je nach Patientin, können verschiedene Antibiotika zum Einsatz kommen. Oft reicht eine Einmal-Dosis aus.

Cranberries sind echte Vitaminbomben und helfen nachweislich um einer Blasenentzündung vorzubeugen

Vorbeugende und unterstützende Maßnahmen

Um einer Blasenentzündung vorzubeugen, gibt es verschiedene Tipps. Diese können auch während einer Infektion angewendet werden (Fu et al. 2017; Kyriakides et al. 2021; Sihra et al. 2018):

  • Cranberry-Produkte, wie Saft oder Kapseln beugen wissenschaftlich erwiesen einer Infektion vor.
  • Auf eine ausreichende Trinkmenge achten. Vor allem während einer Infektion sollte viel getrunken werden, so können Keime ausgespült werden.
  • Nach dem Geschlechtsverkehr auf Toilette gehen, um aufsteigende Keime mit dem Urin auszuspülen. Vermeiden von Spermiziden bei der Verhütung.
  • D-Mannose Präparate aus der Apotheke verhindern das Binden von bestimmten Bakterien an die Blasenwand und verhindern damit eine Entzündungsreaktion. E handelt sich um einen bestimmten Zucker.  Sie können höher dosiert während einer Infektion eingenommen werden und vorbeugend genommen werden
  • Frauen in der Postmenopause können mit ihrem Arzt oder Ärztin bei rezidivierenden Infektionen über eine Therapie mit Östrogenen sprechen. Östrogene können wissenschaftlich belegt wiederkehrende Blasenentzündungen reduzieren.

Den Alltag meistern

Viel trinken, dadurch hat man mehr Urin. Das hilft Bakterien auszuspülen und für ausreichende Urinmengen bei Harndrang.

Präparate für eine gesunde Scheidenflora. Sollte man eine antibiotische Therapie benötigen, sind probiotische Produkte für die Scheidenflora zu empfehlen. Das Antibiotikum wirkt auch auf die Bakterien der Schleimhaut und kann deshalb zu Missempfindungen und gereizter Haut führen.

Wärmepflaster. Wenn man unterwegs ist und keine Wärmflasche dabei hat, können Wärmepflaster auf dem Unterbauch die Beschwerden lindern.

Schmerzmittel können die Symptomatik lindern. Fragen Sie hierzu einen Arzt oder Apotheker.

Dicke Einlagen oder Periodenunterwäsche. Viele Frauen haben ein Inkontinenzgefühl während der Blasenentzündung. Eine Inkontinenz besteht zwar oft überhaupt nicht, doch man fühlt sich sicherer mit dicken Einlagen, die im Notfall Urin auffangen können (Z.B. die Stoffbinden von Almo).

Waschbare Slipeinlagen

Ab zum Doktor bei diesen Symptomen:

Eine obere Harnwegsinfektion, die auch die Niere betreffen kann wird auch Nierenbeckenentzündung oder Pyelonephritis genannt. Hinweise auf eine solche Infektion sind Flankenschmerz, Schmerzen beim Klopfen auf das Nierenlager und/oder Fieber (>38°C). Dann sollte zeitnah ein Arzt aufgesucht werden, da eine antibiotische Therapie begonnen werden muss. Im schlimmsten Fall kann eine Nierenbeckenentzündung zu einer Blutstrominfektion oder einem Schaden an der Niere führen (Johnson and Russo 2018).

Vor Geschlechtskrankheiten schützen Kondome.

Besondere Aufmerksamkeit bei sexuell übertragbaren Infektionen

Die Symptome einer Harnwegsinfektionen können nicht nur durch klassische Erreger ausgelöst werden. Auch sexuell übertragbare Erkrankungen wie Chlamydien und Neisserien, zwei häufige Erreger, können einen unkomplizierten Harnwegsinfekt vortäuschen. Allerdings sollten sie anders behandelt werden und bei Risikopatienten ggf. auch nach anderen Erkrankungen gesucht werden, um Komplikationen wie Unfruchtbarkeit oder Anstecken weiterer Personen zu vermeiden. Leider werden oft keine Untersuchungen auf diese Erreger durchgeführt. Sollten deshalb weitere Symptome auftreten, wie neuartiger Ausfluss, Hautauffälligkeiten oder gab es zuvor ungeschützten Geschlechtsverkehr, sollte dies mit einem Arzt besprochen werden. Dann können verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden (Yoo and Vangrafeiland 2018). Sexuell übertragbare Erkrankungen sind häufiger als viele denken, es gibt deshalb keinen Grund das Thema nicht offen anzusprechen.

Was, wenn die Blasenentzündung immer wieder kommt?

Eine Blasenentzündung ist meist nicht von langer Dauer, manchmal kommt es aber zu wiederkehrenden Symptomen. Von rezidivierenden Infektionen spricht man, wenn zwei oder mehr Episoden mit Symptomen innerhalb von sechs oder 3 oder mehr Phasen innerhalb von 12 Monaten auftreten. Sollte das der Fall sein, sollte ein Arzt aufgesucht werden und eine Erregeranalyse durchgeführt werden, um gegebenenfalls eine spezifische Therapie gegen das Bakterium zu ergreifen und Rückfälle zu vermeiden. Zudem gibt es einige Tipps zur Vorbeugung erneuter Harnwegsinfektionen.

Immer wieder gibt es aber Frauen, die unter immer wiederkehrenden Infektionen leiden. Hier gibt es innovative Therapieansätze z.B. mit Impfungen gegen die auslösenden Bakterien (Sihra et al. 2018). Ansprechpartner können hier Frauenärzte und -ärztinnen oder Fachärzte und -ärztinnen für Urologie sein.

Quellen und Literaturverzeichnis

Fu, Z., et al. (2017), 'Cranberry Reduces the Risk of Urinary Tract Infection Recurrence in Otherwise Healthy Women: A Systematic Review and Meta-Analysis', J Nutr, 147 (12), 2282-88.

Johnson, James R. and Russo, Thomas A. (2018), 'Acute Pyelonephritis in Adults', New England Journal of Medicine, 378 (1), 48-59.

Kranz, J, et al. (2017), 'Interdisziplinäre AWMF S3-Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten', Nieren-und Hochdruckkrankheiten, 46 (8), 334.

Kyriakides, R., Jones, P., and Somani, B. K. (2021), 'Role of D-Mannose in the Prevention of Recurrent Urinary Tract Infections: Evidence from a Systematic Review of the Literature', Eur Urol Focus, 7 (5), 1166-69.

Sihra, N., et al. (2018), 'Nonantibiotic prevention and management of recurrent urinary tract infection', Nat Rev Urol, 15 (12), 750-76.

Yoo, B. and Vangrafeiland, B. (2018), 'Implementation of an Sexually Transmitted Disease-Screening Protocol in an Emergency Department: A Quality Improvement Project to Increase STD Screenings in Young Adults Aged 15-29 Years With Urinary Symptoms', Adv Emerg Nurs J, 40 (4), 304-11.

Über die Autorin

Katharina Ruppert studierte Humanmedizin in Erlangen und Mainz. Seit 2022 ist sie als Ärztin in Mainz an der Kinderklinik tätig. In ihrer Freizeit spielt sie Oboe und geht gerne wandern. Bei Almo ist ihr wichtig, Frauen aktuelle wissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse verständlich zu vermitteln.

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