Du hast Fragen oder benötigst Hilfe? ▼
Kostenloser Versand ab 50 EUR · Hergestellt in Mittelfranken · Zertifizierte Bio-Baumwolle

Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS) – Eine Frage der Weiblichkeit?

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Der weibliche Organismus funktioniert aufgrund eines ausgeklügelten Gleichgewichts von Hormonen. Jedes Hormon hat dabei seine bestimmte Rolle und eigenen Zyklus. Wenn bestimmte Hormone erhöht sind, kann das für Frauen dramatische Folgen haben, z.B. im Rahmen eines Polyzystischen Ovarsyndroms.

Inhaltsverzeichnis

Wichtiger Hinweis: Dieser Text kann keinen Arztbesuch oder persönliche, ärztliche Beratung ersetzen. Bitte wende Dich bei Fragen, Problemen oder Unklarheiten immer unbedingt an Deine Ärztin oder Deinen Arzt. Unsere medizinischen Texte sind von Fachpersonen geschrieben (z.B. Medizinjournalisten, Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudenten kurz vor Studienende, Doktoranden in medizinischen Bereichen); wir können aber keine Gewährleistung auf Korrektheit oder gar Haftung für die Inhalte übernehmen.

Viele Betroffene

Das Polyzystische Ovar-Syndrom, kurz oft PCOS genannt, ist anders als der Name vermuten lässt, keine reine Erkrankung der Ovarien. Es handelt sich dabei um eine Erkrankung, die den gesamten Stoffwechsel betrifft. Dabei ist das PCOS eine der häufigsten Stoffwechselstörungen der Frau. In Deutschland sind schätzungsweise rund 5 – 12 % der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen (Sonnenmoser M. 2021). Das Ausmaß der Symptome ist bei individuell sehr unterschiedlich. Die Einschränkung der Lebensqualität aber oft für die betroffenen Frauen sehr hoch (Hoeger et al. 2021)

Ursache ist unklar

Wie genau ein PCOS entsteht ist weiterhin nicht bekannt. Genetik und Umwelt scheinen einen Einfluss zu haben. Sie führen zu einem Ungleichgewicht in der Hormonachse, welche für die männlichen Geschlechtshormone, sogenannte Androgene, verantwortlich ist. Allerdings gibt es kein einzelnes Gen, welches die Krankheit auslöst, sondern verschiedene Gene, welche unterschiedliche Rollen im Körper haben, wurden identifiziert in Zusammenhang mit PCOS zu stehen (Ajmal et al. 2019).

Auch Töchter von Müttern mit PCOS haben ein deutlich erhöhtes Risiko die Erkrankung zu entwickeln. Der Grund hierfür könnte darin liegen, dass während der Schwangerschaft erhöhte männliche Geschlechtshormone sich auch auf das ungeborene Kind auswirken (Hoeger et al. 2021).

Hormonungleichgewicht bringt alles durcheinander

Was tatsächlich im Körper der Patientinnen geschieht ist hochkomplex. Viele der Krankheitssymptome werden durch einen erhöhten Androgenspiegel verursacht. Das bedeutet, dass die männlichen Geschlechtshormone vermehrt vorhanden sind. Hormone unterliegen strengen Regulationsmechanismen, sogenannten Hormonachsen. Der Körper hat die Möglichkeit an verschiedenen Stellen der Hormonachse „Stellschrauben“ zu verändern und so ein geschlechtsspezifisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten.

Die Selbstregulation funktioniert nicht

Beim PCOS wurden in der Hormonachse für Androgene Veränderungen an verschiedenen Stellschrauben gefunden. Die Botenstoffe, welche für eine Ausschüttung der Androgene sorgen stammen aus dem Gehirn. Diese sind beim PCOS ebenfalls erhöht. Diese Botenstoffe senden z.B. dem Eierstock (med. Ovar) das Signal Androgene auszuschütten. Bei Gesunden führt eine hohe Androgenausschüttung dazu, dass die Botenstoffe aus dem Gehirn weniger produziert werden. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen glauben, dass dieses Signal „Es ist genug da. Die Produktion kann gestoppt werden“ bei Patientinnen mit PCOS nicht funktioniert. Allerdings ist nicht genauer bekannt an welcher Stelle das Signal nicht erkannt wird (Hoeger et al. 2021).

Hey, ich bin Stefanie und die Gründerin von ALMO. Seit über 10 Jahren hole ich die Menstruation aus der Tabuzone und trage dazu bei, dass Frauen ihre besonderen Tage genießen. Mit kuscheligen Stoffbinden und Periodenslips aus Bio-Baumwolle, natürlich in Deutschland genäht.

Klicke hier, um zum Shop zu gelangen

Der Stoffwechsel ist verändert

Einhergehend mit den erhöhten Androgenen leiden die meisten Frauen unter Zyklusstörungen. Auch Probleme schwanger zu werden bis hinzu Unfruchtbarkeit sind häufig. Da es sich beim PCOS um eine Stoffwechselerkrankung handelt, sind häufig auch andere Stoffwechselsysteme betroffen. Die Patientinnen leiden unter Übergewicht bis hin zu Adipositas (sehr starkes Übergewicht). Sie können eine Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) entwickeln, auch die Schilddrüsenfunktion kann beeinträchtigt sein. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass die Frauen dauerhafte erhöhte Entzündungswerte aufweisen. In diesem Zuge sind auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich häufiger als bei gesunden. Auch das Risiko für bestimmte Krebsarten ist erhöht. Im Schlaf leiden ein Teil der Patientinnen unter Schlafapnoen (Benson et al. 2008; Farrell-Turner 2015).

Das Erscheinungsbild ist typisch

Für viele Patientinnen stark belastend sind die Auswirkungen auf das Äußere. Haarausfall, eine Veränderung der Körperbehaarung hin zu männlicher Behaarung und Akne sind typische Symptome. Eine männliche Körperbehaarung geht auch mit einer Verringerung der Haare am Kopf einher. Im Fachjargon wird dies auch als Virilisierung bezeichnet. Für die Frauen bedeutet das, dass äußerliche Attribute, die eher Männern zugeschrieben werden, hinzukommen, während das Weibliche abnimmt.  Die Stimme kann tiefer werden, die Brüste kleiner werden (Sonnenmoser M. 2021).

Auch die Psyche leidet

Laut einer Studie empfinden viele Frauen mit PCOS Unbehagen gegenüber ihrem Körper. Dies kann soweit führen, dass die Frauen sich zurückziehen, kein Selbstbewusstsein haben und die Lebensqualität massiv leidet. Frauen mit PCOS haben zudem ein deutlich erhöhtes Risiko an psychischen und psychiatrischen Störungen zu erkranken, dazu zählen Depressionen, Angststörungen und ADHS. 

Dabei scheinen die körperlichen Begleiterkrankungen, wie Diabetes und Entzündung, und die psychologischen Belastungsfaktoren sich gegenseitig zu verstärken (Farrell-Turner 2015).

Die Diagnose kommt oft spät

Viele Frauen wissen nichts von ihrer Krankheit und haben einen langen Leidensweg hinter sich. Oft wird das PCOS im Rahmen der Abklärung eines unerfüllten Kinderwunsches diagnostiziert. Um die Diagnose sichern zu können müssen mehrere Kriterien erfüllt sein:

  • Im Ultraschall sind die Eierstöcke mit zahlreichen Zysten sichtbar
  • Anzeichen erhöhter männlicher Geschlechtshormone oder ein erhöhter Hormonspiegel im Blut
  • Zyklusstörungen

Bei Teenagern und sehr jungen Frauen, soll min. über ein Jahr abgewartet werden, bis die Diagnose final gestellt wird oder die Symptome in sehr starker Ausprägung vorliegen, da viele Kennzeichen während der Pubertät normal sind (Farrell-Turner 2015; Witchel et al. 2019).

Hormone gegen Hormone

Die Therapie wird v.a. durch Frauenärzte und -ärztinnen sowie Ärzte für Innere Medizin begleitet. Um das Hormonungleichgewicht zu stabilisieren, werden wiederum Hormone gegeben, welche den übermäßigen Androgenen entgegenwirken sollen. Die Hormone können z.B. durch eine Pille verabreicht werden.

Auch die Behandlung einer möglichen Zuckerkrankheit oder Schilddrüsenfehlfunktion ist essenziell. Zusätzlich sollten die Patientinnen auf einen gesunden Lebensstil mit körperlicher Aktivität und ausgewogener Ernährung achten.

Die Frauen können auch viel selbst bewegen

Nur Tabletten schlucken hilft? Nein! Studien haben gezeigt, dass bereits eine Gewichtsreduktion von 5 – 10% des Körpergewichts deutliche Verbesserungen der Symptome mit sich bringen kann. Der Zyklus wird stabilisiert und eine Schwangerschaft wahrscheinlicher. Auch die Folgen einer Zuckerkrankheits warden durch Gewichtsabnahme gemindert (Moran et al. 2009).

Daneben führt ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und gesunder Ernährung oft zu einer besseren psychischen Ausgangslage und kann das Risiko für psychische Erkrankungen senken.

Das bedeutet nicht, dass das PCOS eine Erkrankung durch ungesunden Lebensstil ist. Aber es gibt Patientinnen die Möglichkeit ihren Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Forderungen nach besserer Betreuung und mehr Forschung

Für das PCOS gibt es nach aktuellem Forschungsstand keine Heilung. Der aktuelle Wissensstand ist noch lückenhaft und es benötigt noch viel Forschung um das Krankheitsbild vollkommen zu verstehen und Therapien bestmöglich entwickeln zu können. Auch in der Betreuung der Patientinnen gibt es weltweit noch Aufholbedarf. Eine frühere Diagnose könnte vielen Frauen helfen. Auch eine bessere psychologische Betreuung könnte vorbeugend für psychischen Erkrankungen sein (Farrell-Turner 2015).

Über die Autorin

Katharina Ruppert studierte Humanmedizin in Erlangen und Mainz. Seit 2022 ist sie als Ärztin in Mainz an der Kinderklinik tätig. In ihrer Freizeit spielt sie Oboe und geht gerne wandern. Bei Almo ist ihr wichtig, Frauen aktuelle wissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse verständlich zu vermitteln.

Quellen und Literaturverzeichnis

https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/hormon-und-stoffwechselerkrankungen/erkrankungen-der-nebennieren/virilisierung

https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen/menstruationsst%C3%B6rungen-und-abnormale-scheidenblutungen/polyzystisches-ovarialsyndrom-pcos

Ajmal, N., Khan, S. Z., and Shaikh, R. (2019), 'Polycystic ovary syndrome (PCOS) and genetic predisposition: A review article', Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol X, 3, 100060.

Benson, S., et al. (2008), 'Obesity, depression, and chronic low-grade inflammation in women with polycystic ovary syndrome', Brain Behav Immun, 22 (2), 177-84.

Farrell-Turner, K. A. (2015), 'Women's health providers: don't forget about polycystic ovary syndrome', Am Psychol, 70 (1), 49-50.

Hoeger, K. M., Dokras, A., and Piltonen, T. (2021), 'Update on PCOS: Consequences, Challenges, and Guiding Treatment', J Clin Endocrinol Metab, 106 (3), e1071-e83.

Moran, L. J., et al. (2009), 'Treatment of obesity in polycystic ovary syndrome: a position statement of the Androgen Excess and Polycystic Ovary Syndrome Society', Fertil Steril, 92 (6), 1966-82.

Witchel, S. F., et al. (2019), 'The diagnosis and treatment of PCOS in adolescents: an update', Curr Opin Pediatr, 31 (4), 562-69.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.