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Regelschmerzen durch Tampons – Was ist wirklich dran?

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Tampons bieten Frauen Sicherheit und Flexibilität während der Periode. Oft hört man aber, dass sie ursächlich für starke Periodenschmerzen seien und Krämpfe verstärken könnten. Aber was ist da dran?

Inhaltsverzeichnis

Wichtiger Hinweis: Dieser Text kann keinen Arztbesuch oder persönliche, ärztliche Beratung ersetzen. Bitte wende Dich bei Fragen, Problemen oder Unklarheiten immer unbedingt an Deine Ärztin oder Deinen Arzt. Unsere medizinischen Texte sind von Fachpersonen geschrieben (z.B. Medizinjournalisten, Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudenten kurz vor Studienende, Doktoranden in medizinischen Bereichen); wir können aber keine Gewährleistung auf Korrektheit oder gar Haftung für die Inhalte übernehmen.

Regelschmerzen - 4 von 5 Frauen sind betroffen

In einer großen Studie gaben rund 84% der befragten jungen Frauen an, regelmäßig unter Periodenschmerzen zu leiden. Der medizinische Fachbegriff hierfür lautet Dysmenorrhoe. Rund die Hälfte der Frauen mit Schmerzen, würden die Schmerzen bei jeder Periode empfinden, die andere Hälfte hätte diese nicht immer. Mehr als jede zweite Frau müsste aufgrund der Symptome Schmerzmittel einnehmen und eine von vier Frauen könne nicht am regulären Alltag teilnehmen, also z.B. nicht zur Arbeit gehen oder würde soziale Aktivitäten nicht wahrnehmen können. Das sind immense Zahlen an Betroffenen. Und leider ist das Phänomen keine einmalige Erkrankung, sondern ein mehr oder weniger physiologischer Zustand, der immer wieder zurückkehrt (Grandi et al. 2012).

Woher kommen die Schmerzen?

Die Palette an Symptomen vor und während der Periode ist sehr breit. Stimmungsschwankungen, Akne, Heißhunger und vieles mehr zählen zu den allgemeinen Symptomen. Doch gerade die Schmerzen und Krämpfe plagen viele Frauen. Diese können im Unterbauch bestehen, aber auch in den Rücken oder andere Körperregionen ausstrahlen. Weshalb manche Frauen so starke Schmerzen haben und einige nicht, ist nicht geklärt. Während der Periode kommt es zur Ausschüttung von entzündungsfördernden Stoffen. Diese führen laut aktueller Lehrmeinung zu Krämpfen in der Gebärmutter, welche als schmerzhaft empfunden werden können. Durch die Krämpfe kommt es in der Gebärmutter zu einer Art Sauerstoffmangel, durch welchen Stoffe ausgeschüttet werden, die Schmerzrezeptoren aktivieren. Das bedeutet zum einen, dass Stoffe ausgeschüttet werden, die Schmerzen erzeugen, Stoffe die unseren Körper sensibler für Schmerzen machen und die Gebärmutter durch seine Krämpfe schmerzhaft wird (Ferries-Rowe et al. 2020).

Tipps zur richtigen Anwendung von Tampons

  • Regelmäßig Wechseln (s. Herstellerangaben, max. 8h)
  • Nur mit sauberen Händen einführen und entfernen
  • Beim Einführen entspannen, z.B. sich Festhalten um ein gutes Gleichgewicht zu haben
  • Bei trockener Schleimhaut Gleitmittel verwenden
  • Tampons in der richtigen Größe wählen. Kleine Tampons müssen öfters gewechselt werden, sind aber unter Umständen angenehmer zu tragen
  • Bei Schmerzen und Krämpfen verschiedene Periodenprodukte ausprobieren
  • Bei starken Schmerzen oder ungewohnten Symptomen einen Arzt aufsuchen
  • Das Toxic Schock Syndrom ist eine sehr seltene aber gefährliche Komplikation von Tampons. Es kommt zu Blutdruckabfall, Übelkeit und starkem Krankheitsgefühl. Bei diesen Symptomen sollte sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden

Je früher die Periode, desto häufiger Schmerzen

Wissenschaftler haben verschiedene Risikofaktoren für Periodenschmerzen herausgefunden. Dazu zählt ein junges Alter bei der ersten Periode. Auch steigt die Wahrscheinlichkeit für Schmerzen je länger die Periode dauert. Gynäkologische Erkrankungen gehen ebenfalls mit häufigeren Schmerzen einher. An diesen Einflussfaktoren kann Frau leider nichts ändern.

Eine große Analyse ergab aber auch, dass Raucherinnen mehr Schmerzen während der Periode haben. Vielleicht ist das ein Anreiz für die Ein oder andere der Zigarette abzuschwören (Grandi et al. 2012)?

Schwache Datenlage zu Tampons

Wer vielleicht schon einmal selbst den Eindruck hatte, durch die Tamponnutzung mehr Krämpfe und Schmerzen zu haben und sich dann im Internet auf die Suche nach verlässlichen medizinischen Daten gegeben hat, der wurde sicher bitter enttäuscht. Unzählige Blogartikel oder Berichte in Frauenzeitschriften beschäftigen sich zwar mit dem Thema, wissenschaftlich gibt es aber so gut wie keine Untersuchungen. Ganz schön enttäuschend, wenn man bedenkt wie viele menstruierende Frauen es gibt. Da o.b. im Jahr 2020 die beliebteste Marke für Periodenprodukte war, ist wohl davon auszugehen, dass ein Großteil dieser Frauen auch Tampons nutzt. Nur leider scheint für die Wissenschaft kein Bedarf zu bestehen sich mit diesem Thema weiter auseinanderzusetzen.

Menstruationstassen besser erforscht

Ein wenig besser sieht es bei Menstruationstassen aus. Grund hierfür könnte sein, dass Menstruationstassen sowie waschbare, wiederverwendbare Binden in Entwicklungs- und Schwellenländern wichtige und günstige Periodenprodukte sind. In diesen Ländern können sich Frauen und Mädchen oft keine Periodenprodukte leisten, das bedeutet, dass sie während ihrer Periode vom sozialen Leben ausgeschlossen werden. Das beeinflusst ihre Bildung und finanzielle Situation immens. Deshalb gibt es Programme die diesen Mädchen und Frauen Periodenprodukte zur Verfügung stellen. Da diese Programme oft aus Spenden oder internationalen Hilfsmitteln finanziert werden, gibt es den Wunsch die Nutzung und Sinn der Periodenprodukte zu überprüfen. Aus diesem Grund werden Studien v.a. in einkommensschwachen Ländern durchgeführt (Anna Maria van Eijk et al. 2019; A. M. van Eijk et al. 2021).

Nebenwirkung der Menstruationstasse

Eine große Studie zur Verwendung von Menstruationstassen, konnte bei weniger als 1% der Frauen starke Schmerzen feststellen. Eine Auswertung ob die Frauen mehr Schmerzen mit der Tasse als mit extern angewendeten Periodenprodukten haben, erfolgte allerdings auch hier nicht. Immer wieder gibt es v.a. Einzelfallberichte in denen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen von Frauen berichten, bei denen die Schmerzen mit anderen gynäkologischen Erkrankungen wie Entzündungen des Beckens einhergingen. Hier handelte es sich aber wahrscheinlich um für die Frauen unbekannte Schmerzen während der Anwendung und nicht um bekannte Periodenschmerzen. Es bleibt also auch bei Menstruationstassen offen, ob sie Regelschmerzen verstärken können.

Weitere Nebenwirkungen von Menstruationstassen waren sehr selten, wie z.B. allergische Reaktionen oder Manipulation an der Spirale durch die Tasse. Die Studie bewertete deshalb Menstruationstassen als sehr sicheres Periodenprodukt (A. M. van Eijk et al. 2021).

Schmerzen beim Einführen

Die Studien zu Menstruationstassen zeigten, dass es v.a. beim Einführen zu Schmerzen kommen kann. Dies gilt natürlich für alle innerlich angewendeten Periodenprodukte, auch Tampons. Liegen diese falsch, kann es zu Schmerzen kommen, aber auch eine Verstärkung vorhandener Schmerzen und Krämpfe sind möglich. Deshalb ist es wichtig auf die richtige Größe und das richtige Einführen zu achten.  Die Scheide ist nicht gerade, sondern leicht gebogen. Das sollte versucht werden beim Einführen erspürt zu werden.  

Vaginale Flora für das Wohlbefinden wichtig

Der weibliche Genitaltrakt ist ähnlich wie der Mundraum oder der Darm von verschiedenen Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen besiedelt. Diese sorgen für die gesunde Vaginalflora. Für ein gutes Gefühl im Genitalbereich, innerlich, äußerlich und im Unterbauch ist eine gesunde vaginale Flora unerlässlich. Während der Periode ändert sich die Zusammensetzung und Konzentration dieser deutlich. Das macht Frauen anfällig z.B. für vaginale Infektionen. Haben Tampons darauf einen Effekt?

Wissenschaftliche Studien konnten durch Tampon Nutzung keinen relevanten Einfluss auf die vaginale Flora beobachten.  Auch Menstruationstassen scheinen die Mikroflora nicht zu beeinflussen. Natürlich kann aber bei veränderter Scheidenflora, z.B. auch bei Scheidentrockenheit, ein Tampon die vaginale Schleimhaut mehr reizen und sich unangenehmer anfühlen.

Andersherum gibt es heute auf dem Markt auf probiotische Tampons, die wichtige Bakterienstämme enthalten. Für Patientinnen mit Problemen wie wiederkehrenden Infektionen, Trockenheit oder Juckreiz können diese Tampons eine Option sein. Für gesunde Frauen fehlen aktuell Daten, ob eine Nutzung einen Vorteil hat (Nader-Macías et al. 2021; Onderdonk et al. 1987).

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Tampons bergen Risiken

Auch wenn es keine wissenschaftlichen Hinweise auf verstärkte Schmerzen durch Tampons gibt, so gibt es andere Risiken die mit ihrer Nutzung einhergehen, die leider noch nicht alle Frauen kennen. Das Toxic Schock Syndrom ist eine sehr seltene akute Erkrankung die durch Tampons ausgelöst werden kann. Es kommt dabei zu einer bakteriellen Infektion ausgelöst durch Bakterien auf Tampons, die mit plötzlich auftretendem Ausschlag, Übelkeit, Fieber und drastischem Blutdruckabfall einhergeht und lebensbedrohlich sein kann.

Regelschmerzen sind nicht harmlos

Leider herrscht in der Gesellschaft noch immer keine Akzeptanz für Regelschmerzen. Oft werden sie von der Umgebung als leichte Krämpfe abgetan und man solle damit klar kommen. Fakt ist Regelschmerzen betreffen sehr viele Frauen und sie können sehr stark sein. Ein offener Umgang mit der Periode und Schmerzen sowie genügend Akzeptanz würde vielen Frauen die Menstruation sicher erleichtern.

Neben den typischen Regelschmerzen können Probleme während der Menstruation aber auch auf andere Erkrankungen hinweisen. In diesem Fall, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.

Endometriose

Viele Frauen leiden schon während der Pubertät unter Schmerzen. Verändern sich die Periodenschmerzen im Laufe des Lebens aber deutlich, nehmen an Intensität zu und sind medikamentös schwierig zu behandeln, ist die Erkrankung Endometriose ein möglicher Grund dafür.

Vulvodynie und Vaginismus

Treten während des Einführens oder Tragens eines Tampons oder einer Menstruationstasse starke Schmerzen v.a. lokal auf, kann eine Vulvodynie oder Vaginismus dahinterstecken. Bei einer Vulvodynie sind die Schmerzen am Scheideneingang, der Vulva und Klitoris möglich. Diese können durch Berührung, z.B. beim Einführen des Tampons, aber auch ohne Provokation auftreten. Ursächlich können verschiedene Erkrankungen, wie Infektionen, Nervenschäden sein. Aber auch eine Vulvodynie ohne erklärende Ursache ist möglich.

Beim Vaginismus handelt es sich um ein schmerzhaftes, nicht steuerbares Verkrampfen der Muskulatur bei Versuch etwas in die Vagina einführen. Für Frauen mit dieser Erkrankung ist das Einführen von Tampons und auch penetrativer Geschlechtsverkehr mit starken Schmerzen verbunden und oft nicht möglich.

Sollten Symptome einer Vulvodynie oder eines Vaginismus vorliegen, sollte ein Facharzt oder Fachärztin aufgesucht werden.

Tampons und Krämpfe – alles nur eingebildet?

Wie kann es sein, dass so viele Frauen im Internet berichten, ihre Schmerzen seien ohne Tampons geringer, aber wissenschaftlich fehlen dafür jegliche Daten? Leider ist das Thema Periode immer noch schlecht erforscht und die Wissenschaftswelt oft noch eine Männerdomäne. Schlussendlich sollte jede Frau und jedes Mädchen verschiedene Menstruationsprodukte testen, um für sich die optimale Lösung zu finden. Wer gut auf seinen Körper hört, der wird vielleicht Unterschiede feststellen und kann so eine schmerzfreiere Periode haben.

Quellen und Literaturverzeichnis

Ferries-Rowe, E., Corey, E., and Archer, J. S. (2020), 'Primary Dysmenorrhea: Diagnosis and Therapy', Obstet Gynecol, 136 (5), 1047-58.

Grandi, G., et al. (2012), 'Prevalence of menstrual pain in young women: what is dysmenorrhea?', J Pain Res, 5, 169-74.

Nader-Macías, M. E. F., De Gregorio, P. R., and Silva, J. A. (2021), 'Probiotic lactobacilli in formulas and hygiene products for the health of the urogenital tract', Pharmacol Res Perspect, 9 (5), e00787.

Onderdonk, A. B., et al. (1987), 'Quantitative assessment of vaginal microflora during use of tampons of various compositions', Appl Environ Microbiol, 53 (12), 2774-8.

van Eijk, A. M., et al. (2021), 'Exploring menstrual products: A systematic review and meta-analysis of reusable menstrual pads for public health internationally', PLoS One, 16 (9), e0257610.

van Eijk, Anna Maria, et al. (2019), 'Menstrual cup use, leakage, acceptability, safety, and availability: a systematic review and meta-analysis', The Lancet Public Health, 4.

https://www.statista.com/statistics/1089089/most-popular-feminine-care-brands-germany/

https://www.usz.ch/krankheit/vulvodynie/

https://www.msdmanuals.com/de-de/profi/gyn%C3%A4kologie-und-geburtshilfe/sexualst%C3%B6rungen-der-frau/vaginismus

Über die Autorin

Katharina Ruppert studierte Humanmedizin in Erlangen und Mainz. Seit 2022 ist sie als Ärztin in Mainz an der Kinderklinik tätig. In ihrer Freizeit spielt sie Oboe und geht gerne wandern. Bei Almo ist ihr wichtig, Frauen aktuelle wissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse verständlich zu vermitteln.

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