Über ALMO

Alles Weiblich, oder was?

Eine Stoffbinden-Herstellerin erzählt

Als ich 1997 mit nur 15 Jahren nach meinem Schulabschluss bei einem großen Discounter meine Lehre als Einzelhandelskauffrau begann, wusste ich noch nicht, wohin mich mein Weg noch führen würde. Und was Weiblichkeit mit mir zu tun hatte, das wusste ich auch noch nicht.

Ich fühlte mich unwohl in meinem Körper und wollte immer abnehmen. Als ich dann so ca. 2004 das erste Mal überlegt 
hatte, noch etwas Anderes zu arbeiten, wusste ich nicht so wirklich was.
 Es sollte nicht sein. Ich quälte mich in meiner Arbeit. Die Arbeit war schön, ich hatte echt Spaß, wenn ich Verantwortung trug. Doch es wurde immer enger, die Bedingungen immer „grauenvoller“. Noch dazu einige größere
 Baustellen im Privaten und es hat mich zu Boden geschmettert. Ich
 war ausgebrannt. Und dann kam der Wandel. Eine Trennung, ein
 Umzug und ein Jobwechsel standen an.
Ich ging in die „Winterschule“ und machte den „Einsemestrigen Studiengang für Hauswirtschaft“ in Traunstein. Das war gar keine so leichte Entscheidung, denn Hauswirtschaft „das machen ja nur die, die sonst nichts können“, so war der Ruf. Aber ich wollte es. Und ich habe mich schon vor Beginn des Studiengangs für die Weiterbildung zur Dorfhelferin angemeldet. Ich war ja mittlerweile schon 30 und sooo viel Zeit wollte ich nicht verstreichen lassen. Also habe ich die staatliche Prüfung zur Hauswirtschafterin gemacht und die Weiterbildung zur Dorfhelferin in Teilzeit angeschlossen.
Nach einiger Informationssammlung und mehreren Diskussionen mit dem Arbeitsamt, das mich überhaupt nicht unterstützen wollte, entschied ich mich sehr spontan, mich selbständig zu machen. Da war es schon möglich, während der Weiterbildung Geld zu verdienen.
Eine Dorfhelferin unterstützt Mütter und Bäuerinnen, wenn sie krank sind, zur Kur fahren, wenn ein Elternteil stirbt oder wenn ein Baby kommt: Meist finanziert von den Krankenkassen. Der Bedarf ist zeitweise so groß, dass ich ihn nicht decken kann und es leider gar nicht mehr viele in dieser Berufssparte gibt. Das mag an der nicht besonders hohen Bezahlung liegen und sicher auch an den Diskussionen mit den Krankenkassen, die natürlich nicht so gerne freiwillig die Kosten übernehmen. Derweil ist es gesetzlich geschrieben, dass unter bestimmten Voraussetzungen, die meistens gegeben sind, eine Haushaltshilfe durch die Kasse zu finanzieren ist.
Eine Selbermacherin war ich schon immer. Schon mit meiner Großmutter war ich als Jugendliche auf Flohmärkten unterwegs, dann mit allerlei Selbstgebasteltem auf kleinen Kunsthandwerker-Märkten.
Schon vor der Umbruchszeit
 war ich auf der Suche nach Alternativen zur Monatshygiene und bin auf Stoffbinden gestoßen. Die Erstausstattung von 10 verschiedenen meist ausländischen
 Herstellern war ein Reinfall. Nach drei Monaten waren 90% reif für die Tonne entweder, weil sie rau wie 
Schleifpapier waren, die verschiedenen Stofflagen zerknautscht waren oder Form
 und Material einfach unpraktisch waren. Da fing die Selbermacherin in mir Feuer. Ich nähte und testete Formen und Materialien. Jahrelang war ich die Probeträgerin und Freundinnen wurden, soweit sie dafür offen waren, versorgt. Als ich dann das perfekte Produkt hatte, entstand der Wunsch, alle Frauen mit so einem kuschelig, wohligen Gefühl in der Hose zu beschenken. ALMO, was für Alternative Monatshygiene steht, war geboren.
Für mich war der Weg der Stoffeinlagen auch mein Weg zu mehr Weiblichkeit. Früher, also noch gar nicht so lange her, traute ich mich nicht einmal zu sagen, dass ich Binden verwende, denn das war uncool. Frau trug ja Tampons. Wenn ich einkaufen war, habe ich die Binden möglichst im Einkaufswagen versteckt, um sie dann nach dem Bezahlen schnell in meiner Tasche verschwinden zu lassen.

Und jetzt steh ich mit Stoff-Slipeinlagen und Binden im deutschsprachigen Raum auf Märkten, Messen und passenden Veranstaltungen. Ich bin soooo stolz auf meine ALMO. Das ist gar nicht peinlich: Ich weiß, dass ich kein stinkendes, knisterndes Plastik in der Hose habe. Kein Klebestreifen, der eh nur da klebt, wo er nicht kleben soll. Hier sehe ich dich schmunzeln, denn das kennst du sicher auch. Du kannst die Binden einfach in der Waschmaschine bei 95 Grad waschen, ohne sie vorher einzuweichen. „Wie, in meiner Waschmaschine?“ höre ich dich fragen, ja in der Waschmaschine, in der du auch deine Slips wäscht, wenn in der Mondzeit mal was daneben gegangen ist. Wahrscheinlich hast du vorher sogar per Hand das Gröbste rausgewaschen. 😉 Die Binden sind aus weicher Bio-Baumwolle und haben einen Auslaufschutz, der wasserdicht und trotzdem atmungsaktiv ist. Übrigens, weil ich es immer wieder gefragt werde, der Auslaufschutz knistert nicht.
Es gibt auch Menstruationstassen. Da ich weder Tampon noch Tassenträgerin bin, kann ich nicht so viel drüber sagen. Aber von den Tassen habe ich schon viel Gutes gehört und du kannst als Backup zur Tasse ja eine Stoff-Slipeinlage verwenden 😉
Was mich immer wieder echt traurig macht, ist die Tatsache, dass ich immer wieder Frauen auf meinen Märkten sehe, die gar keinen Zugang zu ihrer Menstruation haben. Sie kichern oder reden sehr abfällig über „das monatliche Übel“. Meist sagen sie, dass sie so froh sind, wenn sie „den Scheiß“ nicht mehr haben.
Auch erlebe ich, dass Veranstalter meine Produkte weder in Wort noch in Bild beschreiben oder bewerben. Einmal war sogar ein Zeitungsreporter bei mir am Stand, der etwas Ungewöhnliches schreiben wollte. Er hat mich ausführlichst interviewt und danach war ein Artikel über eine Taschennäherin in der Tageszeitung. Schade. Ich erlebe immer wieder, dass die Menstruation ein Tabu-Thema ist. So bringe ich mit meinen lustig bunten, kuschelig weichen Produkten und meiner unschuldig frischen fröhlichen Art etwas Leichtigkeit zu den Frauen.

2016 kam ich dann, fast wie die „Jungfrau zum Kind“, zur Ausbildung zur Doula. Es hieß: Ina May Gaskin kommt nach Österreich zum Doula-Training, wie seit 10 Jahren in jedem Jahr. Ich wusste gar nicht, wer sie ist: Sie ist Friedensnobelpreisträgerin und die berühmteste Hebamme der Welt.  Und schon war das nächste Feuer entfacht. Zack war ich angemeldet zum Doula-Training bei der österreichischen Doula-Pionierin Angelika Rodler. Soooo verrückt: 1200 km für ein Wochenende in Österreich. Aber ich kann euch sagen, jeder Kilometer hat sich gelohnt.
Ich habe viele Einblicke in die derzeitige Geburtskultur bekommen, war bei 2 Geburten dabei, habe Ina May Gaskin, die berühmteste Hebamme der Welt und ganz viele tolle Frauen kennen gelernt. Ach ja, bei Miranda Gray habe ich mich noch zur Moonmother initiieren lassen.

Alles was ich tue, wünsche ich jeder Frau:

* Eine Schulung in Hauswirtschaft und das Wissen, wie wertvoll es ist, u. a. ein selbstgekochtes, warmes, wertvolles Mittagessen auf den Tisch zu zaubern

* Der Kontakt mit und die Versorgung von Nutztieren

* Wissen rund um die Geburt

* Die Verbindung zur Monatsblutung, zur Gebärmutter

Stefanie Wagner