Inhaltsstoffe bei Monatshygiene: Sind Tampons, Einlagen und Binden giftig?

Sind Tampons toxisch? Welche Inhaltsstoffe haben Damenbinden? Enthalten Tampons vielleicht sogar Chlor, Glyphosat oder Pestizide? Immer mal wieder liest man entsprechende Meldungen in den sozialen Medien, seltener in der seriösen Tagespresse. Und dann werben Hersteller auch noch mit der „Slipeinlage ohne Zusatzstoffe“… Moment mal, Zusatzstoffe? Was ist eigentlich in den verschiedenen Produkten für die Monatshygiene enthalten?

Viele Tampons auf blauem Hintergrund

Neu: Aufgrund des großen Interesses haben wir einen neuen Artikel zu diesem Thema erstellt. Auf der Seite Inhaltsstoffe und Schadstoffe bei Binden, Tampons und Einlagen haben wir alles wichtige für dich zusammengefasst. In diesem neuen Artikel gehen wir ausführlich auf die einzelnen Inhaltsstoffe ein. Außerdem lernst du, wie du gefährliche Schadstoffe vermeiden kannst und was mögliche Alternativen sind.

Kurz und knapp: Wir wissen es nicht. Es gibt keine Kennzeichnungspflicht für Tampons, Binden und Slipeinlagen. Die meisten Produkte sind laut Herstellerangaben aus einer Mischung aus Zellulose, Kunststoffen und Baumwolle hergestellt. Was genau in der Baumwolle enthalten ist, schreiben die Hersteller nicht. Möglicherweise enthalten die Tampons also Pestizide, die über die nicht aus biologischem Anbau stammende Baumwolle hinein geraten sind. Möglicherweise aber auch nicht. Denn ob Tampons Giftstoffe enthalten, können nur unabhängige Labortests feststellen. Es bleibt dir also erst einmal nur, den Herstellern zu glauben.

Also alles unnötige Panikmache?

Sind Damenbinden giftig und Tampons chemisch behandelt? Monatshygiene ist, trotz aller Abgeklärtheit, immer noch ein sensibles Thema. Trotzdem gibt es einige Studien dazu.

Zum Beispiel wurden konventionelle Binden und Tampons in Argentinien schon im Jahr 2015 genauer untersucht. Laut Medienberichten über die Studie enthielten 85 Prozent der getesteten Produkte Glyphosat. Das Problem: Bei unserer Online-Recherche konnten wir die eigentliche Studie nicht ausfindig machen. Dafür berichten augenscheinlich viele Medienhäuser über den Artikel, deren Neutralität zumindest fraglich ist – wie etwa Russia Today. Das macht es nicht unbedingt einfacher, die Ergebnisse einzuschätzen. Falls die Ergebnisse stimmen, ist das problematisch. Denn Tampons trägst du im Körper, in direktem Kontakt mit der empfindlicheren Schleimhaut. Glyphosat gilt, wie Dioxine (die in der Watte der Tampons enthalten sein können), als krebserregend.

Glücklicherweise gibt es aber auch verlässlichere Quellen aus Deutschland. In den Jahren 2009 und 2017 hat sich Öko-Test zusammen mit BfR um das Thema bemüht – und Entwarnung gegeben. Ökotest fand in einem Fall halogenorganische Verbindungen, ansonsten waren alle untersuchten Tampons schadstofffrei. Vermutlich werden in Argentinien andere Produkte von anderen Herstellern vertrieben als in Deutschland. Trotzdem enthält jedes Gerücht ein Kernchen Wahrheit, und das trifft auch auf Tampons zu. Gefahr geht von ihnen aus, wenn sie beispielsweise zu lange getragen werden.

Mythos: Tampons sind toxisch

Die in Deutschland vertriebenen Produkte sind erst einmal ungefährlich, wie auch das Bundesinstitut für Risikobewertung feststellt. Die Inhaltsstoffe von Tampons stellen keine Gefahr dar. Trotzdem kann ein Tampon giftig werden. Du hast vermutlich auch schon vom sogenannten Toxischen Schocksyndrom gehört oder gelesen. Trägst du einen Tampon zu lange, entstehen möglicherweise Giftstoffe. Die sogenannten Toxine verbreiten sich sehr schnell im Körper. Du stellst grippeähnliche Symptome fest, bekommst vielleicht einen Hautausschlag. Schnell kommen Durchfall, Erbrechen und Kreislaufschwäche dazu. Aber das Toxische Schocksyndrom kann nicht nur beim Tragen von Tampons entstehen, sondern bei jeder nicht-versorgten Wunde. Und es ist sehr, sehr selten.

Drei Tampons auf weißem Untergrund
Tampons können das sogenannte Toxic Shock Syndrom hervorrufen.

Sind Damenbinden besser als Tampons?

Besser oder schlechter gibt es in diesem Fall nicht. Beide Produkte haben ihre Vor- und Nachteile. Damenbinden werden außen am Körper getragen, es besteht also weniger Kontakt mit den empfindlichen Schleimhäuten. Trotzdem enthalten auch die Binden (wie Slipeinlagen) unter Umständen bedenkliche Stoffe. Und sie können das Entstehen von Pilzinfektionen begünstigen. Denn durch die schützende Plastikfolie, die ein Durchdringen der Flüssigkeiten bis in die Wäsche verhindert, bildet sich ein feucht-warmes Milieu. Pilze lieben das – kommt dann noch ein Tampon hinzu, der die Scheidenschleimhaut durch seine feuchtigkeits-absorbierenden Eigenschaften austrocknet, können sich die natürlich vorhandenen Erreger gut vermehren. Damenbinden und Slipeinlagen mit oder ohne Zusatzstoffen sind also nicht besser oder schlechter als Tampons, sondern erst einmal nur anders.

Alternativen?

Wie machten das die Damen vor gut hundert Jahren, als Tampons noch nicht verbreitet waren? Richtig – sie nutzten Hygieneprodukte aus Stoff. Binden und Slipeinlagen aus biologisch angebauter Baumwolle oder sogar Seide gibt es seit einigen Jahren wieder im Handel, die meisten Drogeriemärkte führen diese Produkte. Naturschwämme sind eine Alternative zum Tampon, und Menstruationstassen stellen eine weitere Alternative dar. Diese Produkte sind, die entsprechende Hygiene vorausgesetzt, immer wieder verwendbar. Sie tragen nicht nur zu einem gesünderen Milieu „untenrum“ bei, sondern helfen auch noch Müll zu vermeiden. Einweg-Produkte aus rein pflanzlichen Materialien aus biologischem Anbau sind ebenfalls auf dem Markt erhältlich, beispielsweise von Anbietern wie Natracare, The Female Company, Mia und anderen. Ob du diesen Herstellern hinsichtlich der deklarierten unbedenklichen Inhaltsstoffe mehr vertraust als bei den konventionellen Produkten, musst du allerdings selbst entscheiden.

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